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Woran KI bei Bewerbungen noch scheitert

17. März 2024/von Dr. Markus Karbaum

KI bzw. künstliche Intelligenz verspricht Bewerbern schon heute große Unterstützung. Doch der Schein trügt. Und ein hochwertiges Bewerbungscoaching kann KI noch nicht ersetzen.

Es hört sich so verführerisch weil einfach an: Mit etwas Geschick in der Recherche geeigneter Prompts – wie die Befehle bzw. Aufforderungen an die KI genannt werden – und die Kenntnisse weiterer Tools werden Bewerbungen zum Kinderspiel. Minimale zeitliche Investition, kein Stress – und trotzdem größere Erfolgsaussichten als bisher. Schöne neue Bewerberwelt, könnte man meinen. Doch einige Defizite sind unübersehbar.

KI vereinfacht die Jobsuche und erstellt hochwertige Bewerbungsfotos

Beginnen wir zunächst mit dem, was bereits gut funktioniert. KI hat es geschafft, die gezielte Jobsuche deutlich zu vereinfachen. Denn jeder, der mal einen Newsletter mit Stellenangeboten trotz klarer begrifflicher Eingrenzung abonniert hat, wird deutlich mehr Ausschuss als Treffer erhalten haben. Ursache ist mitunter das recht sorglose Hantieren mit uneindeutigen Jobtiteln und anderen Phrasen durch den Arbeitgeber. Die dann erforderliche Kontextanalyse der Stellenanzeige kann KI meist schneller und effizienter durchführen.

Auch bei der Erstellung von Bewerbungsfotos spielt KI schon heute eine wichtige Rolle. Niemand muss mehr viel Geld im Studio lassen (sorry, liebe Fotografen). Anbieter wie tryitonai bieten überzeugende Bilder auf der Grundlage eigener, halbtauglicher Schnappschüsse. Wie einige meiner Kunden habe ich es bereits selbst ausprobiert und für weniger als 30 Euro 200 Fotos erhalten, von denen Dutzende überaus brauchbar sind.

Flop für Gehaltsvorstellungen, top bei Übersetzungen

Bei Algorithmen, die einen Korridor für das wahrscheinliche Gehaltsniveau angeben, gibt es dagegen noch mehr Schatten als Licht. Meist liegen die Ober- und Untergrenzen so weit auseinander, dass man nicht wirklich einen Vorteil erkennt. Und selbst dann passiert es noch zu oft, dass sich weder Arbeitgeber (niedriger) noch Bewerber (höher) mit ihren Vorstellungen innerhalb dieser Spannweite befinden.

Kandidaten, die sich mit der Erstellung von Bewerbungen jenseits ihrer Muttersprache schwertun, können mit KI wiederum fehlerfreie Lebensläufe und Anschreiben erstellen. Das gilt nicht nur für die Zielsprachen Deutsch und Englisch. Auch wenn noch nicht alle Idiome und Redewendungen überzeugend übersetzt werden, reichen Tools wie DeepL meist völlig aus, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Doch bei Übersetzungen gilt, dass das Ausgangsdokument den wesentlichen qualitativen Ansprüchen genügt muss.

Von schlechten Kopien und überflüssigen Tools

KI-generierte Texte sind nämlich nichts anderes als intellektuelle Kopien. Und ein schlechtes Original führt am Kopierer selten zu einem besseren Duplikat. Das gilt vor allem bei schlechten Vorlagen und schwachen Befehlen. Nur wer bei der Erstellung von Bewerbungsanschreiben komplett überfordert ist, wird aktuell einen Mehrwert für sich ziehen. Doch niemand sollte erstklassige Ergebnisse erwarten. Ob das wiederum ausreicht in Auswahlverfahren, in denen sich Bewerber gegen eine große und hochklassige Konkurrenz durchsetzen müssen, ist dann mehr als fraglich.

Denn je attraktiver der Job, desto größer der Wettbewerb der Bewerber desto wichtiger die Qualität der Bewerbungsunterlagen. Dann sind aufwendige passgenaue Unterlagen zwingend erforderlich! Wer wiederum auf Masse geht, dem fehlt die Zeit, genau das zu machen. Trotzdem hat mich überrascht, dass ein Bewerber in den USA mit einem KI-Tool 5000 Bewerbungen mit einem Klick versendet hat und nur zwanzig Gesprächseinladungen (0,4%) erhielt. Zum Vergleich: Bei den meisten meiner Kunden komme ich auf eine Quote von 20 Prozent, mintunter sogar noch mehr. Dieses Tool ist daher überflüssig.

Gute Resultate hängen von Algorithmus, Rechenleistung und Prompt ab

Gemeinhin werden Defizite der KI mit unzureichender Rechenleistung, nicht aber mit schwachen Algorithmen begründet. Wenn überhaupt empfehle ich daher nachdrücklich, für gute Bewerbungen bei ChatGPT die Bezahlversion nu nutzen. Aber selbst dann kommt es noch auf die passenden Arbeitsanweisungen an. Besonders dämlich finde ich Prompts von Autoren, die von der Entwicklung aussagefähiger Bewerbungen keine Ahnung haben. Wer hier unkritisch übernimmt, kann schnell Schiffbruch erleiden.

Das gilt in erster Linie bei der Anpassung eines Lebenslaufs an die Stelle. Denn die wortwörtliche Integration von Schlüsselbegriffen in den Lebenslauf ist meist maßgeblich, ob jemand zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Für die „perfekten“ Bewerber mit geradlinigem Lebenslauf ist das meist kein Problem, aber für Quereinsteiger wird es schon deutlich anspruchsvoller. Hier geht es um Perspektivverschiebungen und neue Deutungen des bisherigen Werdegangs, was eine KI höchstens im Dialog mit dem Bewerber entwickeln könnte.

KI wird niemals die Persönlichkeit eines Menschen ersetzen

Gleiches gilt für die Entwicklung einer überzeugenden Motivation für das Anschreiben, die im besten Fall einen unmittelbaren Bezug zum Arbeitgeber – und eben nicht nur zur Tätigkeit – erkennen lässt. An dieser Stelle kommt bereits jede Menge Persönlichkeit ins Spiel, die niemand an eine KI delegieren sollte. Denn sonst fehlen Glaubwürdigkeit und Authentizität. Insofern kann eine KI zwar dabei helfen, sich inhaltlich auf ein konkretes Vorstellungsgespräch vorzubereiten, aber nicht in Bezug auf die eigentliche Essenz eines persönlichen – nicht digitalen – Gesprächs. Das betrifft Erscheinungsbild, Auftreten und unbewusste Botschaften eines Bewerbers, also die gesamte nonverbale Kommunikation.

Und das wird noch so lange gelten, bis KI den Menschen vollständig ersetzt hat. Also (hoffentlich) für immer.


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Schlagworte: Berlin, Digitalisierung, KI, Künstliche Intelligenz
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https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2024/03/KI_2024.jpg 400 600 Dr. Markus Karbaum https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2019/06/Logo_Karbaum_Consulting-265-100.png Dr. Markus Karbaum2024-03-17 07:00:292026-09-24 18:53:31Woran KI bei Bewerbungen noch scheitert
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