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Schlagwortarchiv für: Führungskarriere

Wie sich Führung durch BANI verändert

12. April 2026/0 Kommentare/von Dr. Markus Karbaum

Führung ist im Chaos deutlich herausfordernder als in einem überschaubaren Umfeld. Hier setzt BANI an – als Wahrnehmungsmodell, Reflexionsinstrument und mentaler Paradigmenwechsel für Führungskräfte.

Im vorherigen Artikel führte ich Sie in die BANI-Welt ein. Jamais Cascio sieht in ihr ein immer größer werdendes Chaos. Konkret steht das Akronym für Brittle (brüchig), Anxious (ängstlich), Non-linear (nicht-linear) und Incomprehensible (unverständlich). Der Denkansatz kann helfen, Überforderung und Desorientierung besser zu begreifen, selbst wenn er keine unmittelbaren Lösungen aufzeigt. Den größten Mehrwert bietet BANI im Führungskräftecoaching, denn wer BANI versteht, trifft zwar nicht automatisch bessere Entscheidungen, aber mit realistischeren Annahmen.

BANI ist kein Krisenmodus – sondern ein Wahrnehmungsmodell

In einer immer komplexeren, durch rasanten technologischen Wandel und Krisen geprägten Arbeitswelt suchen viele Führungskräfte nach Tools zur effizienten Steuerung. Als Weiterentwicklung von VUCA liefert BANI Denkansätze, unsere chaotische Umwelt anders wahrzunehmen und ggf. neu zu deuten. Dadurch beschreibt es die Rahmenbedingungen, ohne direkt Lösungen anzubieten. BANI ersetzt keine Strategie, sondern verändert die Grundannahmen, auf denen Strategien entwickelt werden.

Wesentlich ist dabei die Annahme, dass sich Führung von Kontrolle und Vorhersage zu Robustheit und Anpassungsfähigkeit verschiebt. In der Praxis lassen sich jeder BANI-Dimension empfehlenswerte Führungsreaktionen zuordnen:

  • Brittle: Brüchige Systeme und Prozesse benötigen zur Stabilisierung redundante Sicherheitsvorkehrungen. Dezentrale Entscheidungen, gefördert durch agiles Management, und regelmäßige Stresstests sind ebenfalls sehr wirksam.
  • Anxious: Je stärker Angst entwickelt ist, desto wichtiger werden Quellen und Akteure, die psychologische Sicherheit bieten. Klare Prioritäten helfen im operativen Geschäft – Visionen, Werte und Weitsicht wiederum bei der strategischen Ausrichtung.
  • Non-linear: Oftmals sind Prognosen reine Projektionen und Forecasts lediglich lineare Hochrechnungen historischer Daten. Besser geeignet sind Wenn-Dann-Szenarien, die über den Tellerrand des Arbeitsalltags hinausreichen. Dies kann mit datenbasierten Simulationen und Experimenten ergänzt werden.
  • Incomprehensible: Es kommt in der Führung maßgeblicher denn je darauf an, auch dann Entscheidungen zu treffen, wenn keine vollständigen Informationen vorliegen. Es gilt somit, Unverständlichkeit bis zu einem gewissen Grad zu akzeptieren, ohne dies nach außen hin zu zeigen.

BANI als hilfreiches Reflexionsinstrument

Daraus lassen sich vier zentrale Fragen ableiten, die BANI zu einem wirksamen Reflexionsinstrument machen:

  • Wo sind unsere Systeme spröde?
  • Wo erzeugen wir unnötige Angst?
  • Welche Entscheidungen treffen wir noch linear?
  • Wo tun wir so, als verstünden wir alles?

Um es auf den Punkt zu bringen: BANI kann gar nicht den Anspruch haben, unsere Gegenwart zu charakterisieren. Denn historisch gesehen gab es immer instabile Phasen. Und ob die Welt wirklich chaotischer ist oder einfach nur schneller, sei dahingestellt. Daher ist BANI allenfalls heuristisch und kein empirisches Modell. Es beschreibt Wahrnehmung und Systemdynamik, nicht objektive Chaoswerte. Und vor allem ersetzt es keine makroökonomische oder geopolitische Analyse.

Was anspruchsvolle Führungskräfte oft unterschätzen

Die Implikationen von BANI reichen in der Führung aber noch in dreifacher Hinsicht weiter. Erstens: Angst ist ein Produktivitätsfaktor – nicht als Nebeneffekt, sondern systemische Kraft. Vorgesetzte sollten sich eingestehen, dass chronische Unsicherheit Mikromanagement oder Entscheidungsaufschub erzeugt und kognitive Überlastung Innovationsfähigkeit reduziert. Eine Führungskraft muss daher aktiv an ihrer mentalen Belastbarkeit und Klarheit arbeiten – nicht nur an der Strategie. Zweitens: Nichtlinearität zerstört klassische Leistungsindikatoren (KPIs). Denn lineare Steuerungsmodelle funktionieren in komplexen Systemen nur noch begrenzt. Für Top-Führung bedeutet das: mehr Szenarien, weniger Ein-Punkt-Prognosen; Frühindikatoren statt Spätindikatoren; und hypothesengetriebene Führung statt Planerfüllung.

Und drittens: Unverständlichkeit fordert Demut – auch das noch! Wahrscheinlich ist das, psychologisch gesehen, die größte Herausforderung für die Führung in der BANI-Welt. Denn vielen Vorgesetzten fehlt das Selbstvertrauen sich eingestehen zu können, dass die Komplexität oft die individuelle Expertise übersteigt. Ich behaupte: Führungsreife wird erst dann sichtbar, wenn Vorgesetzte andere Perspektiven zulassen und gestalterisch einbeziehen. Wenn sie sich argumentativ beeinflussen lassen und vorherige Standpunkte, die sich als falsch erwiesen hatten, abräumen. Wenn sie Agilität fördern und eigene Entscheidungsmacht ein stückweit abgeben. Und ja, das können Führungskräfte lernen und unabhängig von ihrem individuellen Führungsstil implementieren.

Der strategische Mehrwert von BANI

Der eigentliche Mehrwert liegt also darin, dass mit BANI ein mentaler Paradigmenwechsel in der Führung einhergeht (oder zumindest einhergehen sollte). Es verlagert Schwerpunkte: von der Effizienz zur Resilienz (vs. brittle); von Planung zur Adaptionsfähigkeit (vs. anxious); von Sicherheit zum bewussten, achtsamen Umgang mit Unsicherheit (vs. non-linear); und von der Kontrolle zur Lernfähigkeit (vs. incomprehensible). BANI ist insoweit nicht revolutionär, aber es ist ein nützliches Denkgerüst für hochkomplexe Führung. Seine besondere Stärke liegt nicht in analytischer Präzision, sondern darin, blinde Flecken sichtbar zu machen. Für eine anspruchsvolle Führungskraft ist der eigentliche Mehrwert nicht das Akronym – sondern die Erkenntnis, dass Führung heute weniger durch Wissen, sondern durch den Umgang mit Nichtwissen definiert wird.

Viele BANI-Implikationen versprechen ihre volle Wirkung erst im Kontext von VUCA zur Entfaltung bringen zu können. Gute Führung sollte sich also nicht für eines der beiden Modelle entscheiden, sondern sie als ein sich gegenseitig ergänzendes Gesamtkonstrukt begreifen. Dann wird das wahrgenommene Chaos zwar nicht verschwinden, aber ein wenig sicherer zu managen sein.

https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2026/04/BANI-Chaos.jpg 443 590 Dr. Markus Karbaum https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2019/06/Logo_Karbaum_Consulting-265-100.png Dr. Markus Karbaum2026-04-12 05:44:332026-09-11 22:39:54Wie sich Führung durch BANI verändert

Was Headhunter wirklich von Ihnen wollen

14. Januar 2025/0 Kommentare/von Dr. Markus Karbaum

Headhunter sind oft unverzichtbares Bindeglied zwischen Top-Führungskräften und exzellent bezahlten Positionen. Aber auch Fachkräfte können von ihnen profitieren – doch meist ist es eher umgekehrt.

Headhunter genießen hierzulande schon aufgrund ihrer wörtlichen Übersetzung ins Deutsche nicht unbedingt den besten Ruf. Denn mit „Kopfjägern“ sind meist Angehörige von Naturvölkern gemeint, die einen Menschen töten, um dessen Kopf oder Schädel als Siegestrophäe zu erbeuten. Da die Branche dann doch nicht ganz so archaisch-morbide ist, haben sich alternative Begriffe etabliert wie etwa Direktsuche, Personalberatung, Executive Search und Arbeitsvermittlung. Im Idealfall arbeiten Headhunter wie Makler, die zwei Parteien zum beiderseitigen Vorteil zusammenbringen. Weiterlesen

0 0 Dr. Markus Karbaum https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2019/06/Logo_Karbaum_Consulting-265-100.png Dr. Markus Karbaum2025-01-14 05:34:262026-09-11 13:40:59Was Headhunter wirklich von Ihnen wollen

Was Führungskräfte in Vorstellungsgesprächen erwartet

10. Februar 2021/0 Kommentare/von Dr. Markus Karbaum

Führungskräfte werden fast immer intensiv geprüft, wenn sie sich bewerben. In professionellen Auswahlverfahren geht es vor allem darum, den eigenen Führungsstil überzeugend darzustellen.

Sie erinnern sich: An dieser Stelle hatte ich bereits auf wesentliche Aspekte, die für die Reflexion des eigenen Führungsstils relevant sind, hingewiesen. Damit lassen sich bereits zentrale Faktoren, die für die Auswahl von geeigneten Führungskräften entscheidend sind, ableiten. Doch nicht immer werden in Vorstellungsgesprächen diesbezügliche Fragen offen und direkt gestellt. Um einen möglichst ungetrübten Eindruck von den Bewerberinnen und Bewerbern zu erhalten, werden ihnen mitunter mehr oder weniger subtile Fragen gestellt. Weiterlesen

0 0 Dr. Markus Karbaum https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2019/06/Logo_Karbaum_Consulting-265-100.png Dr. Markus Karbaum2021-02-10 07:30:292021-02-10 07:30:29Was Führungskräfte in Vorstellungsgesprächen erwartet

Beschreiben Sie Ihren Führungsstil!

18. Januar 2021/0 Kommentare/von Dr. Markus Karbaum

Können Sie Ihren Führungsstil überzeugend erläutern? Gute Führungskräfte sollten dazu jedenfalls in der Lage sein.

Wer den eigenen Führungsstil nicht erläutern kann, hat ein gravierendes Problem. Entweder haben diese Personen noch nie darüber nachgedacht, weil sie überwiegend situativ handeln und sich an keinem Leitbild orientieren. Oder weil ihnen – ja, solche Menschen gibt es wirklich – die Vorstellung fehlt, dass Führung und Leitung auch ganz anders angelegt sein könnten als das, was sie selbst für richtig halten. Oder, was zu hoffen wäre, ihnen fehlen einzig die passenden Begriffe und Beispiele, um ihren Führungsstil zu erläutern. Weiterlesen

0 0 Dr. Markus Karbaum https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2019/06/Logo_Karbaum_Consulting-265-100.png Dr. Markus Karbaum2021-01-18 06:48:122021-01-18 06:48:12Beschreiben Sie Ihren Führungsstil!

„Ich strebe keine Karriere an“ – Doch!

2. Juli 2019/0 Kommentare/von Dr. Markus Karbaum

Viele Kunden, mit denen ich in den letzten Jahren zusammengearbeitet habe, haben von sich aus eine berufliche Karriere ausgeschlossen. Doch das liegt vor allem daran, dass damit falsche Assoziationen verknüpft sind und alternative Interpretationen außer Acht gelassen werden.

Ein Raum mit Türen, synonym für Varianten von Karriere

Vielleicht erinnern Sie sich daran, als Sie noch von einer Karriere geträumt haben. Möglicher Weise während des Studiums oder der Ausbildung. Wie dieser Traum nach ersten Praktika und Nebentätigkeiten Risse bekam, und wie Sie ihn später mit Blick auf andere berufliche wie private Präferenzen ad acta gelegt haben. Bereut haben Sie das sicher nicht. Weiterlesen

https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2019/07/Tueren.jpg 682 1280 Dr. Markus Karbaum https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2019/06/Logo_Karbaum_Consulting-265-100.png Dr. Markus Karbaum2019-07-02 00:18:552026-09-11 13:41:01„Ich strebe keine Karriere an“ – Doch!

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  • Von der Kunst, Nein sagen zu können
    von Dr. Markus Karbaum am 17. August 2026 um 5:13

    Nein zu sagen oder den Fluch der guten Tat zu vermeiden fällt nicht allen Erwerbstätigen leicht. Doch wie kann man dieser Falle risikolos entkommen? Wer den Karren am besten zieht, bekommt die schwerste Last aufgeladen – bis ihm der Rücken bricht. Diese auch als Lastesel-Paradoxon genannte Metapher kennt auch die englische Sprache: No good deed Der Beitrag Von der Kunst, Nein sagen zu können erschien zuerst auf Bewerbungen und Karriere erfolgreich gestalten.

  • Gehaltserhöhungen verhandeln: Das ändert sich durch die Entgelttransparenzrichtlinie
    von Dr. Markus Karbaum am 14. Juli 2026 um 4:01

    Gehaltserhöhungen zu verhandeln könnte zukünftig deutlich formaler werden. Denn durch die Entgelttransparenzrichtlinie gilt: Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit. Das muss nur bewiesen oder widerlegt werden. Zugegeben, es wird ein ziemlich technokratischer Beitrag und der längste, den ich hier jemals publiziert habe. Aber für meine treuen Leserinnen und Leser dürfte sich die Lektüre lohnen, im wahrsten Der Beitrag Gehaltserhöhungen verhandeln: Das ändert sich durch die Entgelttransparenzrichtlinie erschien zuerst auf Bewerbungen und Karriere erfolgreich gestalten.

  • Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie kommt (nicht)
    von Dr. Markus Karbaum am 7. Juni 2026 um 7:54

    Die Bundesrepublik Deutschland hat es versäumt, bis zum heutigen Tag die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht zu übertragen. Trotzdem wird sich einiges ändern, wovon in erster Linie Frauen profitieren sollen. Ab 7. Juni 2026 wären Arbeitgeber mit mehr als 100 Mitarbeitenden dazu verpflichtet gewesen, entweder das Einstiegsgehalt oder die verhandelbare Gehaltsspanne in der Stellenausschreibung anzugeben. Oder Der Beitrag Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie kommt (nicht) erschien zuerst auf Bewerbungen und Karriere erfolgreich gestalten.

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