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Bewerbungsfrust? Lassen Sie sich nicht alles gefallen!

17. Januar 2022/von Dr. Markus Karbaum

Bewerbungsfrust ist ein weit verbreitetes Phänomen. Selbst hochkarätige Kandidaten müssen sich mitunter einiges gefallen lassen – aber sicherlich nicht alles. Denn es bricht eine Zeit an, die ein neues Rollenverständnis ermöglicht.

Als Job- und Karrierecoach gehört es zu meinen Aufgaben, Menschen zu motivieren, Zuversicht zu fördern und manchmal auch Trost zu spenden. Das gilt vor allem dann, wenn sich Klienten in einem anhaltend erfolglosen Bewerbungsprozess befinden. Die dabei auszuhaltenden Enttäuschungen und Verletzungen verlangen ihnen hin und wieder einiges ab. Aber muss das wirklich immer so sein? Nein, denn es bricht eine neue Epoche an, in der sich viele Bewerber nicht mehr alles gefallen lassen müssen.

Was so richtig Bewerbungsfrust auslösen kann

Ich kenne zahllose Geschichten von Bewerbern, die einiges auf sich nehmen, eine passende berufliche Position zu finden. Damit meine ich weniger die investierte Zeit und Energie, sondern vielmehr Situationen, in denen Menschen das Gefühl haben, ein Stück ihrer Würde zu verlieren. Besonders häufig passiert das vor, während und nach Vorstellungsgesprächen. Zu den typischen Ursachen von Bewerbungsfrust gehören unter anderem

  • Personalabteilungen, die sich weigern, den Bewerbern vorab die Namen der – zumindest wichtigsten – Gesprächspartner mitzuteilen
  • Firmen, die die Rahmenbedingungen so planen, dass Bewerber möglichst schlecht aussehen oder bewusst brüskiert werden
  • Arbeitgeber, die keinerlei Anstalten erkennen lassen, für ihren Betrieb zu werben und anstatt dessen denken, dass diese Bringschuld alleine auf Seiten der Bewerber liegt
  • Unternehmensvertreter, die Bewerbern härteste Fragen stellen, umgekehrt aber pikiert auf berechtigte Fragen des Bewerbers reagieren
  • Ämter und Behörden, die ein Auswahlgremium bilden, das eher einem Tribunal entspricht, deren Mitglieder eine derart abweisende Körpersprache zeigen, die auch die selbstbewusstesten Bewerber verunsichert
  • Betriebe, die gar kein Personal suchen und auch kein Geld für einen Berater ausgeben wollen und sich anstatt dessen in Pseudo-Einstellungstests Strategien und Konzepte von motivierten Bewerbern, die niemals eingestellt werden, entwickeln lassen
  • Gesprächspartner, die sich selbst nach einem zweiten Vorstellungsgespräch nicht mehr bei den Bewerbern melden.

Warum Arbeitgeber nicht am längeren Hebel sitzen

Häufig arbeite ich mit Menschen zusammen, die der Meinung sind, dass solche Verhaltensweisen zwar bedauerlich seien, letztendlich aber erwartbar sind, weil sie typisches Arbeitgeberverhalten widerspiegeln. Dass das (fast) alles normal und selbstverständlich sei, schließlich säße die Gegenseite am längeren Hebel. Weil eben der Arbeitgeber seine Mitarbeiter auswählt und nicht umgekehrt. Und dass deswegen ein Vorstellungsgespräch klar verteilte Rollen aufweist: Der Arbeitgeber als Prüfer und der Bewerber als Prüfling.

Doch das ist ein Trugschluss! Denn in erster Linie führt der sogenannte Fachkräftemangel (in den nächsten Jahren sogar intensiv, wenn die Babyboomer in Rente gehen) dazu, dass es sich immer weniger Arbeitgeber im Wettbewerb um die klügsten Köpfe noch leisten können, besonders wählerisch zu sein. Das bedeutet, dass wir in Zukunft noch mehr sogenannte Arbeitnehmermärkte vorfinden werden, als es sie schon jetzt in einigen Bereichen – Handwerk, soziale Berufe, IT – gibt. (Dort findet sich also auch Bewerbungsfrust, nur eben umgekehrt.)

Doch auch in Bewerbungsverfahren mit starker Konkurrenz hilft das devote Rollenverständnis in Vorstellungsgesprächen nicht weiter. Einerseits machen sich solche Bewerber gegenüber ihren Gesprächspartnern klein. Vor allem treten sie insgesamt viel weniger selbstbewusst auf, als sie könnten. Andererseits vermitteln sie ein unverbindliches und intransparentes Bild von sich. Das liegt daran, dass sie kaum mehr kommunizieren wollen als wohlgefällige Antworten auf ihnen gestellte Fragen.

Wie sich Bewerbungsfrust präventiv vermeiden lässt

Doch das mag kaum ein Arbeitgeber, denn es stellt sich schnell der – zutreffende – Eindruck mangelnder Authentizität ein. Das passiert sogar recht häufig. Dadurch werden Bewerber, die einen gegenteiligen Eindruck vermitteln, auf Arbeitgeberseite schnell als wohltuende Abwechslung wahrgenommen: Selbstbewusst, aber nicht überheblich. Motiviert, aber nicht um jeden Preis. Offen, aber mit gleicher Erwartung an die Gesprächspartner.

Es geht also darum, sich selbst zu sagen: Ich prüfe auch! Damit ich als Bewerber eine Antwort auf die Frage finde: Will ich hier überhaupt arbeiten? Wer sich diese Frage nicht stellt oder sie sich selbst schon vor dem Vorstellungsgespräch beantwortet hat, verfällt schon fast automatisch in die oben beschriebenen negativen Verhaltensmuster. Daher ist es immens wichtig, ein Rollenverständnis zu entwickeln, nachdem Bewerber und Arbeitgebervertreter stets auf Augenhöhe kommunizieren.

Drehen Sie den Spieß einfach um!

In konkreten Vorstellungsgesprächen helfen einige Faktoren weiter, um sich an dieses modifizierte Selbstbild zu gewöhnen:

  • Überlegen Sie sich vorher eigene Fragen zur beworbenen Position und zum Arbeitgeber, schließlich sollten Sie vorher prüfen, ob das Gesamtpaket wirklich zu Ihren Erwartungen passt.
  • Beantworten Sie Ihnen gestellte Fragen nicht mit der Maßgabe, dass die Antwort dem Fragesteller gefallen muss, sondern so, wie Sie es als passend empfinden.
  • Kritische Fragen zu Ihrer Persönlichkeit können Sie auch mit gleichem Wortlaut an Ihren Gesprächspartner richten – schließlich wollen Sie sich gegenseitig kennenlernen.
  • Achten Sie darauf, wie sich das Gespräch entwickelt und lassen Sie sich nicht zu bestimmten Äußerungen oder Spekulationen verführen.
  • Beenden Sie das Gespräch freundlich aber bestimmt, wenn Sie das Gefühl entwickeln, für diesen Arbeitgeber und oder mit Ihren Gesprächspartnern keinesfalls zusammenarbeiten zu wollen.

Gerade der letzte Punkt wirkt Wunder gegen Bewerbungsfrust. Wenn Sie von oben herab behandelt werden. Wenn man Sie nicht ausreden lässt. Oder wenn man Ihnen respektlose Fragen stellt: Das Heft des Handelns in die eigenen Hände nehmen und selbst die Entscheidung treffen – daran kann man als Mensch wachsen. Nur Mut!


Ihr nächster Schritt zur Umsetzung

Die Dynamiken moderner Arbeitswelten werfen in der beruflichen Praxis oft sehr individuelle Fragen auf. Ganz gleich, ob Sie als Fach- und Führungskraft Ihre nächste Karrierestufe vorbereiten oder als Unternehmen strategische Personalthemen anpacken möchten: Ein neutraler Blick von außen schafft Klarheit.

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Schlagworte: Arbeitsmarkt, Berlin, Bewerbungsfrust, Fachkräftemangel, Recruiting, Selbstvertrauen, Vorstellungsgespräche
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https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2022/01/ok-g8cbce1118_640.jpg 427 640 Dr. Markus Karbaum https://karbaum-consulting.eu/wp-content/uploads/2019/06/Logo_Karbaum_Consulting-265-100.png Dr. Markus Karbaum2022-01-17 07:17:192026-09-25 06:51:10Bewerbungsfrust? Lassen Sie sich nicht alles gefallen!
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